Archive for October, 2008

Vorbildliche Nachwuchsarbeit

Der von mir sehr geschätzte Herr BLUMENAU vom Radiosender FM4 hat anlässlich des beeindruckenden 5:1-Sieges der (drittklassigen) “Rapid Amateure” gegen das Bundesliga-Team Mattersburg im österreichischen Cup-Achtelfinale die vorbildliche Nachwuchsarbeit beim SK Rapid gelobt.

Während die “Amas” im Cupbewerb bleiben, musste die “Erste” von Rapid ihre Cup-Hoffnungen mit einer 2:3-Niederlage beim derzeitigen Angstgegner Ried bereits begraben.

Blumenaus Artikel möchte der RAPIDHAMMER seinen Lesern nicht vorenthalten:


Vorbildliche Nachwuchsarbeit

Gut, es redet sich leicht gut über ein Projekt nach einem Sensationssieg über einen zwei Klassen höher eingestuften Gegner. Aber die “kleine” Rapid, das B-Team, die Reserve, die Amateure, wie sie offiziell heißen, die sind auch im Liga-Alltag gut dabei. Und – weil das ja, wie wir wissen wichtiger sein sollte – auch im Bereich des Hervorbringens von Talent machen sie einen guten Job. In den ÖFB-Nachwuchs-Auswahlen tummeln sich derzeit neun aus dem Rapid-Ama-Kader.

Insofern tut eine Würdigung nach einem Cup-Sieg gegen die “großen” Mattersburger dann auch kein lustbetontes Hochspielen eines Zufalls, sondern eine Art Abnicken eines sinnvollen Weges.

Wo nämlich andernorts die Zweier-Teams (ich denke dann an die aus der von ziellosen Mäzenen übernommenen Tradition der Unmäßigkeit noch nicht erwachten Teams von Salzburg oder der Austria) sich mit durchaus erstligatauglichen Oldies vollstopfen und somit die Nachwuchs-Pflege (die der einzige nominelle Sinn dieser Mannschaften sind) hintanstellen (um das im Denken der planlosen Vereinsführungen wichtige, nämlich die pure Angeberei in den Mittelpunkt zu rücken), schaffen es derzeit Teams wie Sturm II und Rapid II (und auch die traditionell mit einem guten Nachwuchs gesegnete Admira II) dem sonstwo nur als Lippenbekenntnis präsenten Ja zur Aufbauarbeit auch ein praktisches Gesicht zu geben.

Am Beispiel der Rapid-Amateure.

In Hütteldorf ließ man zu Saisonbeginn fast ein Dutzend von Akteuren zwischen 20 und 23 in die Welt hinaus ziehen, um die neue Saison mit einem Team zu bestreiten, das großteils U20 ist – eine nachwuchspolitisch völlig richtige Maßnahme, die man sich anderswo (in Hinsicht auf Tabellenplätze und kurzfristige Erfolge) spart. Dazu hat auch die (endlich, zu spät erfolgte aber goldrichtige) Maßnahme die zweite Leistungsstufe (die sogenannte 1. Liga, die mit dem lustigen Sponsor Adeg, vormal Red Zac) von überehrgeizigen B-Team-Projekten zu befreien, einiges beigetragen.

Es kam also zu Saisonbeginn zu einer Verjüngung, als wär man eine veritable U20-Mannschaft. High risk.

Nur der Abwehrchef Nerman Jusic fällt da raus, die eh schon beim A-Team reinschnuppernden Lukse und Prokopic sind 20, Stürmer-Hoffnung Trimmel (jüngst beim “Supercup” gegen Horn im Einsatz) ist 21 – der Rest ist drunter.

Die Amateure werden nur im Notfall mit Spielern aus dem A-Team belästigt, die (wie in Salzburg) dort “Spielpraxis” sammeln sollen. Das widerspricht dann dem Aufbau und Lernprozess einer Nachwuchs-Mannschaft, wenn es sich um abgeschobene und lustlose Halbstars handelt, die derlei als Degradierung empfinden und mit einer entsprechenden Einstellung einen Spielfluss kaputtmachen können. Natürlich gibt es hier auch sinnvolle Zwischenlösungen. Leider nur in der Theorie.

Angewandte Integration

Das zweite ganz spezielle am Experiment Rapid Amateure ist die Zusammensetzung der Mannschaft.

Gestern abend im Cup-Achtelfinale gegen Mattersburg liefen 9 Secondos ein, Jungs mit entweder einem multiethnischem Background oder dem, was man Integrations-Hintergrund nennt. Bis auf den rechten Mittelfeldspieler Semsudin Mehic (ein junger Bosnier, der ein sensationelles Tor zum 4:1 erzielte) sind sie allesamt Österreicher. Und somit das lebende Beispiel für sinnvolle Integration, ganz ohne gezielte Programme, Quoten-Forderung oder anderem gut gemeinten, aber inpraktikablen Unsinn.

Wichtig ist nämlich nicht, woher die Eltern der Kicker herkommen, welche Religion die Burschen eh nicht wirklich ausüben, ob ihr Österreichisch akzentfrei oder klischeehaft daherkommt – wichtig ist aufm Platz und im Training und innerhalb des Teams.

Und da schaffte es eine nicht gerade hochgewachsene Mannschaft sich gegen einen Carsten Jancker zu erwehren, schaffte es ein junges, aber taktisch ausgesprochen diszipliniertes Team gegen einen von Coach Lederer wie leider immer eher sauhaufenmäßig eingestellten (und dumm aufgestellten) Gegner durchzusetzen. Gut, würden die halbwegs in Normalform spielen, dann wäre das Spiel spätestens nach dem 1:1 gekippt – so brachte die eigene Unsicherheit den SVM glatt um.

Trainer Andreas Reisinger

hat entweder irre viel Schwein und ein tolles G’spür, oder der einstmals eher lauffaule Ex-Internationale versteckt seine Fähigkeiten jungen Kickern das Wesentliche zu vermitteln sehr geschickt, wenn er in der Öffentlichkeit auftritt.

Sein offensiv ausgerichtetes 4-4-2 (mit dem überaus reifen Zweitkapitän Yasin Pehlivan, der zuletzt im U20-Team mitspielte, in der defensiven und mit Michel Sandic, zuletzt in der U19-EM-Quali dabei, in der offensiven Zentrale) überragt das dümmliche Pseudo-4-5-2, mit dem sich die große Rapid seit Monaten abplagt, natürlich um Längen.

Hier, bei den Amateuren, sind alle Positionen wirklich besetzt.

Die großen Rapidler gingen in Ried hingegen mit einer defensiveren Variante ihres Spiels, einem 4-5-1, baden.

Den zweiten Stürmer brachte Trainer Pacult erst nach dem 3:2.

Reisingers junges Team ist in seiner Grundstruktur so sattelfest, dass es vielleicht sogar einen Trainer der Marke Krankl überleben könnte. Hier laufen nicht nur die Außenspieler (im Fall des bereits erwähnten Mehic und im Fall des bereits allerorten abgefeierten Supertalents Christopher Drazan sogar ultraschnell), sondern auch die Zentrale ist in Bewegung, die Spitzen stören, rochieren und lassen sich fallen, zogen so die unbeweglichen Manndecker a la Lederer mit. Die Abwehr ist eher vorsichtig, was angesichts des Mattersburger Flügeldrucks auch nötig war.

Gemeinsam ist allen: schnelles Umschalten, schnelles Handeln, Mut zum Dribbeln und Mut zum Schuss.

Mut, den kann man nicht kaufen.

Den hat man, oder eben nicht.

Die Verantwortlichen für die Rapid Amateure haben ihn offenbar. Und das geht, weil sie weder als Renommier-Projekt noch als Misttrücherl herhalten müssen, sondern sich ihrem zentralen Zweck widmen können. Andernfalls geht soviel Energie drauf, sich von derlei Funktionärs- und Wichtigtuer-Reinrederei freizuhalten – die fehlt dann anderswo. Und auch weil die Mannschaft recht frei von den üblichen verdächtigen Spielerberatern (nur vier haben überhaupt einen) ist. Und vielleicht, weil auch im Nachwuchsbereich so gedacht wird, zb von U19-Coach Christian -Prosenik, dem Vater eines der Hoffungsträger.

Die Rapid Amateure

spielten mit U18-Teamtorhüter Ertan Uzun im Tor (Andreas Lukse war in Ried im Einsatz), mit Tanju Kayhan aus der großen Kayhan-Sippe rechts in der Abwehr, mit Cem Tosun, dem Bruder des an den DSV verliehenen Cemil, zentral in der Abwehr neben Nermin Jusic, dem 32jährigen Kapitän, der schon im Spiel die Tränen über diesen 5:1-Triumph nicht so recht halten wollte. Links hinten spielt Stephan Palla, U20-Teamkandidat, von Ernst Weber als eines der größten Talente des heimischen Kicks bezeichnet – ein Kandidat für die aktuell zu besetzende Katzer-Position.

Im Mittelfeld rechts der kleine Semsudin Mehic, links der unglaubliche Christopher Drazan (zuletzt auch im U19-Teameinsatz), zentral defensiv der grandiose Yasin Pehlivan (U20), zentral offensiv Michel Sandic (U19).

Vorne war neben Shooting-Star Christopher Trimmel (der als bester Burgenländer auf dem Platz bezeichnet wurde) diesmal Serkan Ciftci im Einsatz.

Thomas Bergmann kam für Mehic und sorgte für ein grandioses Tor, die Einwechslungen von Philipp Prosenik, 15, aber schon im U17-Team!) und Muhammed Ildiz, 17, vor der Liga-Saison mit einem speziellen Förderungspreis ausgezeichnet, waren eher sowas wie Belobigungen. Dazu kommen noch Ersatztormann Bartosch und Abwehrspieler Emanuel Sakic.

Verletzt sind Prokopic und Marcel Toth, zum Team gehören noch Stefan Holzmeier, Arvedin Terzic und Mehmet Sütcü sowie die Coaches Thomas Mattersdorfer, Erich Macho und sicher viele andere mehr.

Bitte weiter so.

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October 31, 2008 at 7:19 pm Leave a comment

Vorsicht: Zeitunglesen gefährdet Ihre Laune

Der morgendliche Blick in den “Kurier”, den man meist schon lange vor 6 Uhr Früh vor unserer Wohnungstüre findet, war heute (29.10.2008 8) doppelt deprimierend:

Der SK Rapid war gestern Abend gegen Ried (2:3) aus dem österreichischen Cup ausgeschieden und die Kurse meiner Immobilienaktien waren weiter gefallen.

Ob am Abend das Ergebnis des Premier League-Spieles Manchester United v West Ham United für eine Aufhellung der Stimmung sorgen wird?

October 29, 2008 at 2:09 pm Leave a comment

London 0 Hull 4

KURIER, 20.10.2008 8)
Von wegen “Hull is Dull”: Die “Tigers” sorgen in der Premier League für Aufsehen. “London 0 Hull 4” ist seit Sonntag nicht mehr nur der Titel des Debüt-Albums der 80er-Jahre Kultband “The Housemartins”, sondern auch die Saisonbilanz von Premier-League-Aufsteiger Hull City. Nach Fulham (2:1), Arsenal (2:1) und Tottenham (1:0) musste mit West Ham (1:0) der vierte Klub aus der Hauptstadt als Verlierer vom Platz schleichen.

Nach acht Runden liegen die Liga-Neulinge noch vor Arsenal und Manchester United auf Rang drei der Liga. Völlig zurecht (?). Nicht etwa weil die Mannschaft mit One-Touch-Football begeistert oder mit Kabinettstückchen glänzt, sondern weil sie kämpft bis zum Umfallen. Und weil sie, wie Ex-Bayern-Keeper und Buch-Autor (“Ich”) Oliver Kahn es ausdrücken würde, Eier haben. Nicht viele Teams spielen in Arsenals Emirates Stadion erfolgreich ein 4-3-3.

Manager Phil Brown hat aus einem Haufen von gescheiterten Talenten, von alten Hasen und jungen Wilden ein Team geformt, das sich durch den absoluten Willen auszeichnet ihre Chance in der stärksten Liga der Welt zu nutzen.

Ein “Versager” blüht auf

Wie der Brasilianer Geovanni, der 2003 für rund 21 Millionen Euro von Cruzeiro zum FC Barcelona wechselte. Dort ist er genauso in der Versenkung verschwunden wie später bei Benfica oder Manchester City. Ein klassischer “Versager”, der viel zu wenig aus seinem Talent gemacht hat. Meinten zumindest viele. Bei Hull sorgt er mit seinen Toren für Furore. Beim 1:0-Sieg gegen West Ham war er laut BBC “Man of the Match”.

Oder der Niederländer George Boateng, der nach sechs Jahren bei Middlesbrough auf dem Abstellgleis landetet und die Kapitänsschleife an Emanuel Pogatetz verlor. Oder Peter Halmosi, der sich nicht einmal beim GAK in der Bundesliga durchsetzen konnte.

Kult-Figur

Oder Dean Windass. Der 39-Jährige mit dem klingenden Namen ist die absolute Kult-Figur des Vereins. Der Stürmer war schon als kleiner Jungspund ein glühender Fan und besuchte die Akademie des Klubs. Damals reichte es allerdings nicht für einen Profi-Vertrag. Doch Windass’ Karriere ist symptomatisch für viele Kicker beim Traditionsverein,der in seiner 104-jährigen Geschichte bisher noch nie in der obersten Liga spielte. Er gab nicht auf, wollte beweisen, dass ihm sehr wohl ein Platz im Team gebührt. Also kämpfte er sich durch.

1991 durfte er, dank seiner Hartnäckigkeit, erstmals das bernsteinfarben getigerte Trikot seines Lieblingsvereins überstreifen und sollte es erst wieder 1995 ausziehen. Nach Stationen bei Oxford, Bradford oder Middlesbrough kehrte er 2007 nach Hull zurück und schoss seinen Verein mit dem entscheidenden Tor gegen Bristol in die höchste Liga.

Daneben gibt es rund um Kapitän Ian Ashbee einen verschworenen Haufen, der den Weg aus der vierten Liga gemacht hat und jetzt seine Klasse beweisen will.

Auch wenn der Höhenflug wohl nicht ewig andauern wird und eine Qualifikation für die Champions League, die der derzeitige dritte Tabellenplatz bedeuten würde, ein schöner Herbsttraum bleiben wird, das eine oder andere Mal wird es wohl noch heißen: “Sie haben nicht gut gespielt, aber sie haben gewonnen.”

Im Gegensatz dazu hieß es bei West Ham derzeit wieder mal: “We play good football but we win nothing.”

October 20, 2008 at 8:49 am 1 comment

Doping – Geißel des Sports

Was haben wir uns gefreut im Sommer. Ganz Österrecih sah sich die eigentlich langweiligen Übertragungen von der Tour de France an. Ein Österreicher vorne mit dabei und am Ende der Bergkönig der Tour: Bernhard Kohl.
Und dann das: “Kohl gedopt” steht da heute (14. Oktober) in der Zeitung. In manchen Blättern noch mit einem Fragezeichen oder mit dem Beisatz, dass die Unschuldsvermutung gilt. Die A-Probe sei positiv auf EPO getestet worden, heißt es. Natürlich muss man die B-Probe abwarten, aber eine Tragödie ist es trotzdem.
Der Radsport wieder im Zwielicht, der Held des Sommers ein Loser und Betrüger?

Und wie geht es nun rechtlich weiter?

Mehrere Artikel in der neuen Sportzeitung NULL ACHT – Magazin für Rasenpflege beleuchten in der aktuellen Ausgabe das Problem Doping.

Hier eine etwas erweiterte Version des Artikels über die Doping-Gesetzgebung in Österreich:

Doping im Paragraphendschungel: die Gesetzeslage in Österreich

Von Wolfgang Berger

Die Doping-Affäre rund um die österreichischen Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 kann man getrost als Initialzündung – oder zumindest als Beschleunigungsmittel – für die Erlassung neuer, strengerer Dopingvorschriften in Österreich bezeichnen. Am 27. April 2006 wurde beschlossen, in das Bundes-Sportförderungsgesetz einen Anti-Doping-Abschnitt einzufügen, und im März 2007 trat Österreich dem UNESCO-Übereinkommen 2005 gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Konvention) bei.

Aufgrund der Ratifizierung dieser Konvention rang sich der Gesetzgeber dazu durch, ein eigenes “Anti-Doping-Bundesgesetz 2007” zu schaffen. Kernstück dieses Gesetzes ist die Einrichtung einer neuen Unabhängigen Doping-Kontrolleinrichtung mit der Bezeichnung NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) mit einer zentralen Doping-Gerichtsbarkeit für alle Sportverbände. Die für Information, Prävention und Kontrolle zur Verfügung stehenden Mittel wurden auf 1,2 Millionen Euro erhöht.

Gesetzliche Doping-Definition

§ 1 des Anti-Doping-Bundesgesetzes definiert Doping dahin, dass dieses “die sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen” und “der Gesundheit der Sporttreibenden schaden” kann sowie dem “Grundsatz der Fairness im sportlichen Wettbewerb” widerspricht. Zu den mit der Fairness unvereinbaren Praktiken gehören u.a. das tatsächliche oder versuchte Verabreichen verbotener Wirkstoffe, das Verletzen von Meldepflichten und das Einflussnehmen auf Dopingkontrollen. Die Verbotsliste ergibt sich aus dem Anhang zur Anti-Doping-Konvention.

Zentrale Doping-Kontrolle durch die NADA

Die durch das Anti-Doping-Bundesgesetz als GmbH eingerichtete NADA hat ihren Sitz in der Wiener Prinz Eugen-Straße und nimmt seit 1. August 2008 zentral alle Anti-Dopingaufgaben in Österreich wahr. Die vom früheren Bobfahrer und Sporthilfe-Chef Andreas Schwab geleitete GmbH steht zu 51 % im Eigentum der Republik Österreich und zu 49 % in jenem der Bundesländer. Sie übernimmt alle Funktionen des noch als Verein organisierten Anti-Doping-Comités (ÖADC) und auch die bisher bei den Bundessportverbänden eingerichtete Disziplinargerichtsbarkeit bei Doping-Verstößen.

Auf Grundlage der am 9. August 2008 in Kraft getretenen Gesetzesnovelle – der dritten Anti-Doping-Novelle innerhalb von drei Jahren! – hat die NADA zur Erfüllung der bei ihr konzentrierten Anti-Doping-Aktivitäten sechs Expertenkommissionen einzurichten, darunter eine Ethikkommission, drei medizinische Kommissionen und eine Rechtskommission.

Die Sportler verpflichtet das Anti-Doping-Bundesgesetz, sich vor der Aufnahme in die höchste Leistungsstufe zur Mitwirkung an Dopingkontrollen ausdrücklich bereit zu erklären. Dopingkontrollen können mit einigen Einschränkungen “rund um die Uhr” und bei den in den “nationalen Testpool” aufgenommenen Spitzensportlern auch “out of competition” durchgeführt werden.

Dopingkontrollen, die von NADA, WADA, dem zuständigen internationalen Sportverband, dem Olympischen Comité, Veranstaltern und Sportorganisationen angeordnet werden können, sind durch ein aus zwei Personen bestehendes Team durchzuführen. “A-Probe” und “B-Probe” werden dann einem von der WADA zugelassenen Labor anonymisiert vorgelegt. Ist die “A-Probe” positiv und liegt keine Ausnahmegenehmigung der medizinischen Kommission der NADA vor, so werden der Sportler und sein Bundessportverband informiert. Innerhalb von sieben Tagen kann der Sportler dann die Analyse der “B-Probe” – in seiner Anwesenheit – verlangen.

Keine Haftstrafen für Sportler

Gedopte Sportler sind nach österreichischem Recht nicht gerichtlich strafbar, sondern Disziplinarmaßnahmen (Sperren) unterworfen. Außerdem werden die Namen gesperrter Sportler von der NADA veröffentlicht. Bei Verdacht eines Dopingvergehens – vor allem im Falle eines positiven Analyseergebnisses – leitet die NADA unverzüglich ein Disziplinarverfahren vor der Rechtskommission ein. Die Rechtskommission der NADA führt für den von einem Dopingfall betroffenen Sportverband das erstinstanzliche Disziplinarverfahren durch und verhängt die in den Statuten des Verbandes vorgesehenen Strafen bzw. Sperren. Zuerst nur aus drei Mitgliedern bestehend, wurde die Rechtskommission mit der Novelle 2008 auf fünf Mitglieder erweitert. Ihr müssen drei Juristen mit entsprechender Berufserfahrung sowie je ein Experte für Pharmakologie/Toxikologie und Sportmedizin angehören.

Gegen die Entscheidungen der Rechtskommission kann binnen vier Wochen Berufung an eine bei der NADA eingerichtete Unabhängige Schiedskommission erhoben werden. Das Rechtsmittel können der Sportler bzw. dessen Mannschaft oder Verein einbringen. Im Schiedsverfahren entscheiden drei ständige Mitglieder der Schiedskommission zusammen mit zwei weiteren, von Fall zu Fall durch den Sportler sowie den betroffenen Sportfachverband nominierten Mitgliedern. Die Entscheidung der Schiedskommission kann zwar nicht mehr angefochten werden, doch können sich die Betroffenen auch an ein ordentliches Gericht werden und auf dem Zivilrechtsweg etwa auf Unterlassung der Umsetzung einer Sperre klagen. Außerdem kann der internationale Sportgerichtshof CAS in Genf angerufen werden.

Neben den von der NADA verhängten Disziplinarstrafen ist das wesentlichste Druckmittel zur Einhaltung von Anti-Doping-Vorschriften die Rückforderung oder Nichtauszahlung von öffentlichen Sportförderungen. Das Gesetz sieht vor, dass die Einhaltung der Anti-Doping-Regeln in die Förderverträge mit Sportlern und deren Sportverbänden ausdrücklich aufzunehmen ist.

Verschärfte Strafbestimmungen

Während Sportler nach österreichischem Recht wegen Dopings gerichtlich nicht bestraft werden, ist gegen jene, die verbotene Mittel in Verkehr bringen oder bei anderen anwenden, ein gerichtliches Strafverfahren einzuleiten. Bei bestimmten Mitteln (Anabolika, Hormone und Stimulanzien) ist schon der Besitz eines Vorrates strafbar. Die seit der Anti-Doping-Novelle 2008 im Anti-Doping-Bundesgesetz geregelten, verschärften Strafbestimmungen sehen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

Mit den geltenden Anti-Doping-Vorschriften steht in Österreich ein geeignetes Instrumentarium zur Bekämpfung von Doping zur Verfügung. Noch fehlen aber Regelungen, die über die disziplinar- und strafrechtlichen Sanktionen hinaus auch berufsrechtliche Konsequenzen für beteiligte Trainer oder Ärzte vorsehen. Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka hat zwar versprochen, dass sich in dieser Beziehung bald etwas ändern werde, aufgrund der Neuwahlen im Herbst bleibt das Gesetz in dieser Beziehung aber weiterhin zahnlos.

October 14, 2008 at 11:34 am Leave a comment


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