Archive for December, 2009

Hamburg, 2. Dezember, 0:2; Wien, 17. Dezember, 3:3

Rapid’s Europa League Campaign In A Nutshell

“Wir hatten zwar einen tollen Beginn, doch leider sind wir nicht über die Runden gekommen. Trotzdem muss ich der Mannschaft und den Fans ein Kompliment für dieses Jahr aussprechen.”
Rapid-Coach Peter Pacult

Was der Rapid-Trainer nach dem 3:3 im letzten Euro League-Spiel des SK Rapid gegen den ebenfalls in der Gruppenphase ausgeschiedenen Celtic FC sagte, klingt wie eine Zusammenfassung der Leistungen von Rapid in der ganzen Gruppenphase – auch wenn Pacult mit seinem ersten Satz nur das finale Unentschieden gegen die Schotten meinte.
Da gingen die Rapidler im kalten Ernst Happel-Stadion wieder einmal durch ein “first-minute-goal” von Nikica Jelavic so schnell in Führung, dass ich den ersten Treffer nur mehr in der Wiederholung auf der Videowall sehen konnte. Und für die Tore 2 und 3 (nochmals Jelavic und Salihi) brauchte Rapid gerade mal 19 Minuten – da wurde keinem kalt.
Ein großartiger Auftakt im Prater also – wie im September mit dem 3:0-Sieg im ersten Gruppenspiel der Gruppe C gegen den Hamburger SV.
Der Rest der ersten Halbzeit, in der Celtics Marc-Antoine Fortune noch auf 1:3 stellen konnte, gestaltete sich ausgeglichen; beide Teams hatten Chancen und Helge Payer-Ersatz Hedl im Rapid-Tor musste sich mehrmals auszeichnen – ein gutes und ausgeglichenes Spiel wie beim 1:1 gegen Celtic in Glasgow.
Nach der Pause wollte Rapid den Vorsprung verwalten, doch in der 67. Minute gelang Celtic der etwas glückliche Anschlusstreffer. Fortune nutzte nach einem schnell abgespielten Freistoß in abseitsverdächtiger Position den Querpass vom Fünfer zum 2:3 und zu seinem zweiten Treffer (67.). Den möglichen Ausgleich hatte Jelavic am Fuß, doch machte der Ball nach hoher Drazan-Vorlage, was er und nicht was der Rapid-Stürmer wollte (75.). – Das erinnerte an die Partien gegen Hapoel Tel Aviv, vor allem an die erste Halbzeit des Heimspiels in Wien, als Rapid reihenweise Chancen vergab und Hapoel glücklich zum Führungstreffer kam.
Und dann wurde man bei Rapid zunehmend nervös, verschenkte immer wieder Bälle und ließ den nach der Auswechslung von Salihi als Solospitze auf Vorlagen lauernden Jelavic “verhungern”. Statt einem Rapid-Sieg und Platz 3 in der Gruppe sahen wir in der 91. Minute noch ein Celtic-Tor durch McGowan. Das 3:3 war ärgerlich und schmeckte nach Niederlage – man erinnerte sich an die verkorksten zweiten Spielhälften gegen Hapoel und an die für Rapid schiefgegangene Invasion von Hamburg (0:2).
Und in der letzten der drei Nachspiel-Minuten schließlich der letzte Freistoß von Steffen Hofmann in diesem Jahr. Aber Celtic-Goalie Boruc, der schon beim EM-1:1 von Österreich gegen Polen unsere Stürmer im Prater zur Verzweiflung gebracht hatte, konnte parieren und damit fehlte der positive Knalleffekt zum Abschluss. – Nach einem tollen Beginn ist Rapid “nicht über die Runden gekommen” (wie Peter Pacult sagte). 3:3 “für” Celtic, für die Grünen blieb nur der vierte Platz mit 5 Punkten.
Hapoel gewann die Gruppe C durch ein 1:0 gegen den HSV, Celtic hat einen Punkt mehr als Rapid und wurde Dritter. Im Frühjahr spielt von den vier österreichischen Vertretern nur noch Salzburg in der Euro League (1:0-Auswärtssieg gegen Villareal – der sechste volle Erfolg im sechsten Spiel!).
Aber bei Rapid kann man über das in diesem 110er-Jubiläumsjahr Erreichte insgesamt sehr zufrieden sein. Die Bäume wachsen bei Rapid schlussendlich nicht in den Himmel, aber Peter Pacult hat vollkommen recht. Mannschaft und Fans verdienen ein Kompliment, für das was seit dem Sommer erreicht wurde:
Sieg gegen Liverpool im Jubiläumsspiel, Aufstieg in die Euro League-Gruppenphase mit beeindruckenden Leistungen gegen Aston Villa, sensationelles 3:0 gegen den HSV und beachtliches 1:1 in Glasgow. Und die Erfolge in der Meisterschaft, wie der 4:1-Derbysieg gegen die Austria oder das packende 2:1 gegen Sturm, brachten Rapid Herbstmeistertitel und “Winterkrone”.
Jetzt machen wir zwei Monate Fußballpause in Österreich – und dann soll die “Mission 33” wieder starten: Rapid holt den 33. nationalen Meistertitel. Von mir aus kann dann auch Salzburg ins Europa League-Finale kommen …

December 21, 2009 at 11:35 pm Leave a comment

Auf nach Hamburg!

Das schreibt die WIENER ZEITUNG über das EL-Spiel HSV v Rapid am Mittwoch:
“Die Rapid-Fans haben ihren Spielern schon einiges voraus, sie sind quasi Europacup-Sieger.”

“Wien. Andy Marek war heuer in Europa schon viel unterwegs, alles dienstlich: England, Schottland, Albanien, Israel. Und egal, wo er war, hat er einen Satz immer wieder gehört. “So etwas haben wir noch nicht erlebt.”

Die Rede ist von den Rapid-Fans, die ihren Verein auf der bisher durchaus erfolgreichen Tour in der Europa League begleitet haben. Das Auswärtsmatch beim Hamburger SV am Mittwoch (21.05 Uhr/Sat1, Sky) ist das letzte in diesem Jahr. Am Dienstag hat dorthin eine wahre Völkerwanderung eingesetzt.

Rund 8000 grün-weiße Anhänger werden im Stadion sitzen. Eigentlich hätte Rapid nur Anspruch auf etwa 2900 Karten gehabt, doch im Wochenrhythmus rief Marek, Leiter des Klubservice bei Rapid, in Hamburg an und erbat weitere Kontingente.

Vielleicht endet das Kapitel Europa League am Mittwoch für die Hütteldorfer, denn nur ein Sieg gegen den stark ersatzgeschwächten HSV würde die Tür zur K.o.-Phase weit aufstoßen, ein Remis immerhin noch die theoretische Möglichkeit eines Weiterkommens offen lassen. Doch punkto Fanwanderung darf sich Rapid durchaus bereits als Europacup-Sieger wähnen.

“So etwas gibt es sonst nur bei den Finalspielen. In Hamburg war zwar die WM, aber der Verein hat diese Dimension auch noch nicht erlebt”, sagt Marek, der in den vergangenen Wochen die Reise organisiert hat. Zehn Chartermaschinen fliegen aus Wien nach Hamburg und Hannover, dort warten Busse auf die Fans.

“700 Fans waren mit Rapid in Tel Aviv, mit den Bayern sind nur 120 gefahren”, erzählt Marek. Nach Birmingham wurde die Mannschaft von 1400 Fans begleitet, nach Glasgow zu Celtic von 2500. Hamburg aber sprengt alles. Nur zum Europacup-Finale in Brüssel gegen Paris 1996 waren mehr gekommen (12.000).

Erinnerungen an einst

Andy Marek war vier Jahre zuvor zu Rapid gekommen. Mit seinen 47 Jahren ist er zwar noch zu jung, um ein Urgestein zu sein, aber als er in Hütteldorf begann, war alles anders. “Ich kann mich noch erinnern, als im Hanappi-Stadion tausend Fans gesessen und 37 auswärts mitgeflogen sind”, erzählt er.

Seit einigen Jahren aber hat sich eine enorme Dynamik entwickelt. Nicht nur, dass Rapid immer mehr Fans anzieht, haben diese auch den Wert erkannt, durch Masse, Lautstärke und bedingungslose Anfeuerungsrufe international aufzufallen.

Etwa beim Spiel bei Aston Villa, als das englische Fernsehen immer wieder die Anhänger einfing und die Zeitungen danach ungläubig über die Unterstützung der Fans berichteten.

Gerade in England hatte es einst gegolten, sich allein durch physische Präsenz bis hin zur Gewalt zu profilieren, und auch den Rapid-Fans war dieses Denken lange nicht fremd. Das könnte sich nun geändert haben, gerade die Erfahrungen im Europacup haben den Fans gezeigt, dass auch andere Wege zu Fanruhm führen.

Kleine Irritationen

Freilich ist das bisherige Auftreten der Anhänger keine Garantie, dass beim HSV nichts passiert. Marek erzählt von einem Fan, dem in Hamburg eine Bierdose in einer Hotellobby auf den Boden fiel, was eine kurze verbale Auseinandersetzung mit einem Sicherheitsmann zur Folge hatte. Kein Krawall, nur eine Irritation. “Aber bei 8000 Leuten kann das natürlich zur Potenz passieren”, sagt er.

Viel mehr als einzelne, kleine Zwischenfälle erwartet der Rapid-Tausendsassa nicht. Aber natürlich wieder jenen Satz, den er in dieser Saison schon oft gehört hat: “So etwas haben wir noch nicht erlebt.”

December 1, 2009 at 9:32 pm Leave a comment


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Was nach der 90. Minute kommt, entscheidet über Sieg oder Niederlage.

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"RAPIDHAMMER'S FOOTBALL DIARY" bringt Hintergrundberichte und Gedanken zum Fußball
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