Arsenal Away: Der Matchbericht

March 29, 2010 at 11:41 am 1 comment

Vorletztes Wochenende waren Johannes und ich in London bei Arsenal v West Ham im Emirates. Hier mein Matchbericht

LONDON 10 208

Am Stehplatz im Emirates 

Gut zwanzig Jahre ist es her, seit der Taylor-Report die Schließung der Stehplatztribünen in den englischen Stadien empfahl und den Startschuss für die Umgestaltung der alten Grounds in moderne sichere Stadien gab. Ein Neubau wie das vor drei Jahren eröffnete „Emirates“ des Arsenal FC bietet feine Architektur und Platz für mehr als 60.000 Zuschauer auf weichen Klappsitzen, die es in puncto Bequemlichkeit mit den Kinostühlen im Megaplex aufnehmen könnten.

Und bekanntlich gilt in England: „During the game please remain seated at all times.“

Aber an diesem Nachmittag im März ist das anders: mit einem Ticket für die „away section“ ausgestattet, sind wir Teil des 3000 Leute starken Ostlondoner West Ham-Blocks, der zwei Sektoren im Unterrang des Emirates hinter dem Tor und in der Kurve einnimmt. Dort bleiben während des gesamten Spiels die roten Sitze hochgeklappt und auch sonst unterscheidet sich die Stimmung hier vom Rest des eleganten Stadions.

Im Bauch des Stadions

LONDON 10 222

Bis kurz vor Spielbeginn ist die Tribüne fast leer, weil das Mitnehmen der Bierbecher nicht erlaubt ist. Flüssiges gibt es nur im düsteren und schmucklosen Betonbauch  des „away ends“. Und während es draußen vor Anpfiff noch still ist wie in einer Bibliothek, ist in dieser Gruft schon der mächtige Widerhall von „We all follow the West Ham“ und „Bubbles“ zu hören.

Unterdessen hat Arsenal-Manager Arsène Wenger in einem Statement über die beiden Video-Walls die Aufstellung seines Teams bekannt gegeben und mit einem gut geschnittenen Videoclip voller Arsenal-Tore werden die Zuschauer im roten Rund mit dem eleganten wellenförmigen Abschluss des Oberranges auf das eingestimmt, was da kommen soll. Und es kommt leider allzu bald: das 1:0 für Arsenal nämlich. Die nach Frank Sinatra klingende Arsenal-Hymne, die die West Ham-Supporter mit einem trotzigen „I‘m forever blowing bubbles“ kommentiert haben, ist noch nicht lange verklungen, schon hat Arsenals Denilson nach Doppelpass mit Bendtner auf 1:0 gestellt (5.).

LONDON 10 228

Trotzige “Bubbles”, stille “Library”

Die West Ham-Anhänger antworten auf den Rückstand mit einem noch trotziger klingenden “Bubbles” und unterstützen das Auswärtsteam unverdrossen weiter. Dabei kommen die Cockneys ohne Vorsänger aus und stellen die Arsenal-Fans, die nur unmittelbar nach dem Tor so richtig laut werden, stimmlich die meiste Zeit in den Schatten. Mit einem spöttischen „Shall we sing a song for you?“ werden diese provoziert und als dann der Arsenal-Support kontert, heißt es aus dem West Ham-Sektor in Anspielung auf das alte Arsenal Stadion Highbury: „Hush… it‘s still the Library“.

Bedroht Arsenal – erstmals nach dessen Verletzungspause wieder mit Cesc Fabregas – das Gehäuse von West Ham-Keeper Robert Green mit Freistößen oder Cornern, so versucht man der Hammers-Abwehrreihe mit „Bubbles“ den Rücken zu stärken. Als Robert Green einen gefährlichen Schuss hält, wird er sogleich als „England‘s number one“ besungen und auch die Gegner bekommen ein Liedchen: die gelbe Karte für Sol Campbell wird mit „He‘s going home in a minute“ kommentiert.

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Fortune’s always hiding …

Und tatsächlich gibt’s zum Ende der ersten Halbzeit eine rote Karte: Arsenal-Verteidiger Vermaelen, der als letzter Mann West Ham-Angreifer Franco im Strafraum zu Fall bringt, wird von Schiri Atkinson ausgeschlossen. Aber für West Ham, diese Saison permanent im Kampf gegen den Abstieg, heißt es wieder einmal „Fortune‘s always hiding“: Alessandro Diamantis Strafstoß wird von Arsenal-Keeper Almunia gehalten, was die Stimmung auf den Rängen hochkochen lässt. Doch nachdem die Bobbies einen allzu rabiaten Cockney abgeführt haben und der Pausenpfiff ertönt ist, beruhigt sich die Situation schnell wieder.

In der Pause werden die besten Szenen aus Hälfte 1 auf den Video-Walls wiederholt, wo sonst während des ganzen Spiels praktischerweise die Aufstellungen beider Mannschaften eingeblendet sind.

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Zweite Halbzeit

Die besten Szenen für West Ham sieht man aber nun nach der Pause, als die Hammers gegen 10-Mann-Arsenal auf den Ausgleich drängen. „Go West Ham, play your way“ wird das in Blau spielende Auswärtsteam aus dem „away end“ angefeuert. Als Franco, dessen letzte Aktion leider nur ein Abseitstor ist, aus- und West Hams bester Stürmer Carlton Cole endlich eingewechselt wird, begrüßt man ihn mit einem aufmunternden „You‘ve got the power to go, believe it“ und das „Come on you Irons“ hallt noch einmal kraftvoll durchs Stadion.

Da den Hammers aber nichts Zählbares gelingen will – ein Schuss von Cole geht immerhin an die Außenstange -, Arsenal die Partie wieder besser in den Griff bekommt und bei schnellen Gegenstößen stets Gefahr im West Ham-Strafraum verbreitet, werden die Heimfans immer lauter. Der bis zum Beginn der letzten Viertelstunde stimmgewaltige West Ham-Anhang beginnt dagegen, den bis dahin aufrechten Dauer-Support einzustellen und nach einer Fehlpassorgie der Hammers macht sich schön langsam Depression im „away end“ breit. Aber auch jetzt pfeift keiner (wie bei den Heimspielen in vergleichbaren Situationen) und niemand klappt den Sitz nach unten. Im Stehen sehen wir  also Arsenals 2:0 aus einem Elfer, und nun hört man endlich auch von den Arsenal-Fans ein paar  schöne Choräle.

Die davon unbeeindruckten West Ham-Anhänger kontern wieder einmal mit „60.000 muppets“ und nachdem man schließlich noch einige verbale, von unschönen Handbewegungen begleitete Freundlichkeiten ausgetauscht hat, pfeift der Schiedsrichter das am Ende im strömenden Regen gespielte Londoner Derby schließlich ab.

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“That’s only West Ham, mate”

Ordner und Bobbies achten darauf, dass niemand zu lange auf den Rängen bleibt und recht gesittet geht es nun zur Tube-Station Arsenal. Während Arsenal zumindest über Nacht die Tabellenspitze ziert, muss sich der West Ham-Anhang wie gewohnt in Galgenhumor üben:

Dass unser Flieger nach Wien überbucht ist und wir unfreiwillig eine weitere Nacht in London verbringen müssen, kommentiert ein Cockney wie folgt: “It‘s only West Ham, mate. Any other team and you‘d be half way home. Trust me.“

Arsenal – West Ham 2:0 (1:0)
Arsenal: Almunia, Eboue, Campbell, Vermaelen, Clichy, Nasri (Sagna 74), Denilson, Song, Fabregas, Arshavin (Eduardo 83), Bendtner (Diaby 57)
Subs: Fabianski, Silvestre, Rosicky, Walcott
West Ham United: Green, Spector, Tomkins, Upson, Daprela, Diamanti, Behrami, Kovac (Noble 70), Stanislas, Franco (Cole 57), Mido (McCarthy 74)
Subs: Stech, Spence, Ilunga, Ilan
Tore: 1:0 Denilson (4.) 2:0 Fabregas (81.)
Gelbe Karten: Campbell / Kovac, Diamanti, Upson, Daprela
Rote Karte: Vermaelen (43. Notbremse)
Ref: Atkinson
Att: 60,077

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Entry filed under: English, West Ham.

Rapid: Das neue Lied Drunter sind wir England (We’re England Underneath)

1 Comment Add your own

  • 1. Dark Clouds From Iceland | RAPIDHAMMER  |  April 16, 2010 at 9:16 am

    […] London-Aufenthaltes und eine Flugverspätung von 14 Stunden bescherte, halb so schlimm! Damals hieß es, bezugnehmend auf das sprichwörtliche Pech der Hammers: “It‘s only West Ham, mate. Any other […]

    Reply

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