“Rapid kennt man überall in Europa”

November 9, 2010 at 10:38 am Leave a comment

Jan Vennegoor of Hesselink: “West Ham hat ‘Bubbles’, aber Rapid hat Andy Marek!”

“He appears to have a heart made out of the sun”, kommentierte Freund Sam von Football United dieses Foto von Jan Vennegoor of Hesselink und dem RAPIDHAMMER.

Nun es handelt sich zwar nur um das reflektierende Symbol des Sportartikelherstellers, dessen Dressen der SK Rapid trägt. Aber der frühere holländische Teamstürmer (19 Einberufungen), der seit September für den SK Rapid Wien spielt, hat wirklich ein sonniges, freundliches Gemüt und ist für mich ein echter Sympathieträger.
Der “Klub der Freunde des S.C. Rapid” lud Adte Nuhiu, Raimund Hedl, Thomas Hinum und eben Jan VoH zur Mitgliederversammlung und der Holländer stellte sich dabei als im Deutschen durchaus sprachgewandt heraus. Vor allem am Ende des Abends plauderte er frisch drauf los, sodass man glauben hätte können, Jan sei schon seit Jahren – und nicht erst seit elf Wochen in Wien.

Schwieriger Einstand bei Rapid: Staatsanwaltschaft, drei Tore und eine Verletzung
Ein Muskelfasereinriss im Oberschenkel – erlitten nach einem allzu langen Schritt im Meisterschaftsspiel gegen Wr. Neustadt – zwingt den 1,90 großen Stürmer seit 24. Oktober leider zum Pausieren. In drei Wochen im Derby gegen die Wiener Austria möchte er aber wieder dabei sein, verriet Jan VoH, der es in sechs Meisterschaftsspielen bisher auf zwei Tore und einen Assist brachte. Dazu kommt noch ein Europa League-Treffer beim 2:0-Auswärtssieg gegen ZSKA Sofia.
Vennegoors Einstand bei Rapid verlief aber alles andere als nach Wunsch: im ersten Spiel gegen die Austria setzte es die erste Derby-Niederlage im Hanappi Stadion seit Jahren und dann auswärts gegen Ried verlor man 1:3 – mit außergewöhnlichem juristischen Nachspiel für die holländische Neuerwerbung! Bei einem Zusammenstoß zwischen VoH und dem Rieder Stefan Lexa verletzte sich Letzterer schwer, worauf Lexa und Ried-Manager Reiter behaupteten, VoH hätte den Rieder Mittelfeldspieler absichtlich verletzt, ihm die Verletzung während des Spiels geradezu angekündigt. Aufgrund der Zeitungsberichte und der Anschuldigungen leitete die Staatsanwaltschaft Vorerhebungen gegen den mit einem 2-Jahres-Vertrag ausgestatteten Rapidler ein und der dachte sich geschockt: “Wenn das in Österreich jedes Mal so geht, werden das zwei lange Jahre!”
Adte Nuhiu, Jan Vennegoor of Hesselink Vor Kurzem flatterte aber endlich eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft Ried ins Haus: Das Verfahren wurde eingestellt – und das, ohne dass Jan VoH zu einer Einvernahme gebeten worden wäre. Anscheinend hatte sich der Staatsanwalt das Video vom Ried-Spiel angeschaut und befunden, dass da von einem strafbaren Tatbestand überhaupt keine Spur war. (Leider konnte die StA bei dieser Gelegenheit Adte Nuhius reguläres, vom Schiri aber nicht gegebenes Tor nicht nachträglich anerkennen – dann hätte der junge Rapid-Stürmer “Nutschi” [Bild] endlich seinen ersten Bundesliga-Treffer auf dem Konto!)

England ist eine andere Welt, aber österreichische Spieler sind “sehr fit”
Auf seine Einschätzung des österreichischen Fußballs – abseits von wildgewordenen Ried-Funktionären! – angesprochen, meinte Vennegoor of Hesselink, der in Holland (Twente, PSV), Schottland (Celtic) und England (Hull City) gespielt hat, in Holland werde technisch besser gespielt und es gebe da vielleicht zwei, drei Mannschaften, die über die österreichischen Klubs zu stellen seien. Aber grundsätzlich könne Österreichs Fußball sowohl mit Schottland als auch mit dem Durchschnitt der niederländischen Vereine durchaus mithalten. Die Physis der Spieler sei hierzulande sogar besser als dort. “Alle Spieler sind sehr fit in Österreich”, meinte VoH. Einen Vergleich des österreichischen mit dem englischen Fußball könne man dagegen (trotz Rapids Erfolgen gegen Aston Villa) nicht anstellen: “England ist eine andere Welt”, begründete das der ehemalige Hull-Spieler. Der SK Rapid sei aber jedenfalls in ganz Europa bekannt. Wenn man vom österreichischen Fußball spreche, dann falle überall zuerst der Name “Rapid”, erzählte Jan Vennegoor.

Old Trafford der beeindruckenste Ground, West Ham ein “echter Kult-Klub”
À propos England: Sein Jahr in England, beim späteren Premier League-Absteiger Hull City habe er trotz der schwierigen Situation beim Klub genossen, verriet Jan, der von Celtic in die PL gekommen war. In den englischen Stadien zu spielen sei ein einmaliges Erlebnis, ein Genuss gewesen! Welcher “ground” ihm am meisten imponiert habe, fragte ich. “Old Trafford”, sowohl vom Stadion als auch von den Fans her, meinte er. Die Frage nach West Ham United konnte der RAPIDHAMMER natürlich nicht auslassen, und da meinte VoH, die Hammers seien “ein echter Kult-Klub” und das Stadion am Upton Park habe ihm auch sehr gut gefallen. Die Hammers haben fantastische “fanatische Fans”, sagte Jan, leider hätten finanzielle Probleme die Mannschaft beeinträchtigt. Der bei den Heimspielen von West Ham United vor Spielbeginn gespielte Kultsong “Bubbles” hat VoH allerdings nicht wahnsinnig beeindruckt: West Ham hat “Bubbles”, aber “Rapid hat Andy Marek!” würdigte Rapids Nummer 10 den grün-weißen Platzsprecher und Fanbetreuer.
Und warum hat es in Hull gar nicht geklappt hat, obwohl der von mir befragte Hull-Experte Marcus Dysch dem Holländer anlässlich seines Wechsels zu Rapid ein “strong cracking finish” attestiert hatte? Das Zusammenspiel in der Mannschaft habe überhaupt nicht hingehauen, meinte Jan, der es in der PL in 31 Spielen auf nur 3 Treffer brachte. Man habe  in der vorigen Saison (2008/09) die Niederlagenserie, die in der zweiten Saisonhälfte der zunächst sensationellen ersten Spielzeit der  “Tigers” in der Premier League begonnen hatte, nahtlos fortgesetzt und man sei da einfach nicht mehr herausgekommen. Auch sei das Umfeld im Klub recht unruhig gewesen, bedauerte der Niederländer, der bei der WM 2006 und bei der EM 2008 für sein Land gespielt hat. Mit dem Abstieg von Hull war er dann ohne Vertrag und ablösefrei zu haben.
 
Wieder ein Johann bei Rapid
Jan, das ist die niederländische Form von Johann – und offensichtlich hat Jan Vannegoor of Hesselink eine Affinität zur Stadt des Johann Strauss (und des Johann Krankl !). Rapid und Wien hätten ihm, nachdem er sich im Sommer als “free agent” umgeschaut hatte, das beste “feeling” gegeben, hat der Stürmer schon früher in einem Interview gesagt. Und das bestätigte Jan, der am 7. November seinen 32. Geburtstag gefeirt hat, auch nach 11 Wochen in der österreichischen Hauptstadt. Die ersten sechs Wochen im Renaissance Hotel in Meidling seien zwar schwierig gewesen, aber seit die Familie mit den Kindern da ist, geht es ihm wirklich gut und Wien sei eine phantastische Stadt für ihn und die family, schwärmt er.
Nur das Training mache derzeit gar keinen Spaß: Kraftkammer statt Balltraining, das sei das Schlimmste, was einem Fußballer passieren könne. In drei Wochen soll die Vennegoor-lose Zeit bei Rapid aber überstanden sein – im Auswärtsspiel gegen die Austria Wien will der Holländer wieder dabei sein!
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Entry filed under: Austrian, English, Europe, Internationals, Rapid, West Ham.

Come on you boys in green! 55 years ago: West Ham United 1-1 Rapid Wien

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